Brigitte Kreativ

Unter der Woche schickte mir der Verlag Gruner & Jahr ein Exemplar ihrer neuesten Zeitschrift, der ‚Brigitte Kreativ’. Ich könne ja darüber bloggen schrieb man mir… doch nicht mit mir (oder irgendwie doch)

Doch warum, fragte ich mich. Ich schaute die Zeitschrift durch und fühlte mich kein bisschen angesprochen, denn natürlich handelt es sich wieder einmal um eine FRAUEN-Bastel-Zeitschrift mit jeder enge Strick-Anleitungen, was ja nicht so schlimm wäre, handelte es sich dabei nicht ausschließlich um Frauen-Klamotten. Dass ich keine Frau bin und diese Zeitschrift daher für mich weitgehend nutzlos ist, hat die PR-Abteilung von Gruner & Jahr offenbar übersehen. Und dass diese Zeitschrift nicht für mich gedacht ist, macht schon die Begrüßung ‘Liebe LeserIN’ im Editorial deutlich.

Brigitte KreativLiebe Leserin...

Und überhaupt: Seit einigen Jahren, seit DIY im Trend liegt und alle davon profitieren wollen, vor allem die Verlage, sprießen DIY-Zeitschriften wie die Pilze aus den Verlagshäusern. Mich als Bastel-Fan sollte das freuen, könnte man meinen. Pustekuchen, denn leider ist alles was mit Basteln, Kochen und dergleichen zu tun hat, heutzutage derart gegendert, dass man denken könnte als Mann könnte man weder kreativ sein, noch basteln, noch kochen oder sonst was. Nein, der Mann trinkt Bier und guckt Fußball, die Frau näht und strickt derweil und deshalb wird so ein Bastelmagazin bei Gruner & Jahr natürlich unter der Frauen-Marke ‚Brigitte’ gelauncht. Ist ja auch logisch, denn Mann strickt ja nicht (außer ich natürlich). Schade eigentlich, denn ich dachte wir wären mit der Emanzipation schon weiter. Frauen dürfen und können heute alles, sogar Fußball gucken und das ist auch gut so, doch wo bleibt die männliche Emanzipation? Warum habe ich außer meiner Person noch nie einen Mann stricken sehen?

Vermutlich weil mein Geschlecht noch immer nicht den Mut hat, sich von seinen alten Klischees zu emanzipieren. Die männlichen Rollenbilder werden vielmehr durch die Medien weiter reproduziert, indem eben Kreativität und Kochen einzig den Frauen zugerechnet werden. Für Männer gibt es nur den Kicker (Fußball), die GQ (Shopping-Katalog für Statussymbole) und den Playboy (ihr wisst schon…), sie werden in ihren Interessen reduziert auf Fußball, teures Spielzeug und nackte Frauen. Ok, die Beef!-Leser stehen vielleicht im Sommer mal am Grill und wenden ihr Fleisch. Mit der Zeitschrift für ‘Männer mit Geschmack’ hat G&J schon gezeigt, dass man Männer und Frauen auch in Sachen Essen gerne voneinander trennt und auf die klassischen Rollenbilder verlegt: Der Mann isst eben gerne Fleisch, daher muss er natürlich eine eigene Kochzeitschrift bekommen, eine ungegenderte kommt da natürlich nicht in Frage. Vermutlich wäre er mit einer Kochzeitschrift für das weibliche Publikum auch überfordert. ‘Männer kochen (eben) anders’.

Quelle: https://www.facebook.com/beef.de/Bildquelle: Screenshot https://www.facebook.com/beef.de/

Warum also müssen Bastelpublikationen so extrem auf Frauen ausgerichtet sein, dass man sogar einem männlichen Bastelblogger eine Brigitte Kreativ schickt und denkt, er findet die so toll, dass er so gleich eine Lobeshymne schreibt, weil man sich offenbar gar nicht vorstellen kann, dass es tatsächlich männliche DIY-Blogger gibt (‚Da muss doch in Wahrheit eine Frau dahinter stecken, oder?’). Warum nicht einfach mal eine ungegenderte Kreativzeitschrift? Da wäre das Zielpublikum doch doppelt so groß. Da könnte man dann auch Strickanleitungen für Männer-Accessoires rein tun. Und Bastelanleitungen für jedermann.

So genug aufgeregt, ich stricke jetzt weiter an meiner Mütze, ist ja bald Winter…

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2 Antworten

  • Bärbel20. Februar 2016 at 23:36

    Es wäre eine lustige Aktion, mal ein Kleid aus dem Heft zu nähen (als Mann) und dann schöne Modefotos zu machen. Kann ich gerne übernehmen.

    Ein lieber Freund versucht schon länger, die männliche DIY-Gleichstellung zu fördern, bisher erfolglos. Die paar Männer, die es schaffen, werden oft gehypt. Auch doof, und nicht gleich gleichgestellt.

    Bärbel

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  • care involves care16. Dezember 2016 at 05:41

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